Technologietransfer
Wie Berliner Start-ups Technologietransfer mit Instituten und Förderung nutzen
Technologietransfer in Berlin verbindet Start-ups mit Instituten, Transferstellen und Förderinstrumenten wie der KfW-Gründungsförderung für junge Firmen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Technologietransfer in Berlin läuft über Transferstellen der Hochschulen, außeruniversitäre Institute und Kammern.
- Anlaufstellen sind unter anderem die Transferstellen der Berliner Hochschulen, Fraunhofer und die IHK Berlin.
- Förderinstrumente reichen von der KfW-Gründungsförderung über das ZIM bis zur Forschungszulage.
- Kooperationen mit Hochschulen und Instituten lassen sich über Auftragsforschung, Verbundprojekte und Lizenzen abbilden.
- Wer Förderung und Transfer kombiniert, verkürzt die Zeit von der Idee bis zum marktfähigen Produkt.
Technologietransfer in Berlin: Transferlandschaft für Start-ups
Berlin hat eine der dichtesten Forschungslandschaften in Deutschland. Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Institute arbeiten hier auf engem Raum. Für junge Unternehmen bedeutet das kurze Wege zu Laborplätzen, Fachpersonal und Partnern für gemeinsame Projekte.
Die Berliner Transferlandschaft besteht aus mehreren Ebenen. Da sind die Transferstellen der Hochschulen, die Erfindungen melden, Schutzrechte betreuen und Kontakte zu Lehrstühlen vermitteln. Dazu kommen die außeruniversitären Institute, die Auftragsforschung anbieten. Und schließlich die Kammern und Netzwerke, die Gründerinnen und Gründer beraten.
Für Start-ups ist entscheidend, welche Ebene wann hilft. In der Frühphase geht es um Machbarkeit und Prototypen. Später um Zulassungen, Serienreife und Vertrieb. Die passende Anlaufstelle wechselt mit der Phase.
Berlin setzt auch politisch auf diesen Weg. Das Land fördert Transferprojekte und Innovationszentren, damit Forschungsergebnisse schneller in Anwendungen kommen. Für junge Unternehmen heißt das: Es gibt Ansprechpartner, aber man muss sie kennen.
Konkrete Anlaufstellen für junge Unternehmen
Die erste Adresse ist meist die Transferstelle der eigenen Hochschule. Wer aus der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin, der Humboldt-Universität oder der Charité kommt, findet dort Patentberatung, Vertragsmuster und Vermittlung zu Arbeitsgruppen.
Außerhalb der Universitäten sind die Institute der Fraunhofer-Gesellschaft zentrale Partner. Sie arbeiten auftragsbezogen und decken Themen von Materialien über Mikroelektronik bis zu Produktionstechnik ab. Über die Seite für Kunden und Partner lassen sich Ansprechpartner für Auftragsforschung und Technologietransfer finden: Fraunhofer als Partner für Auftragsforschung.
Die Industrie- und Handelskammer Berlin berät zu Gründung, Finanzierung und Kooperationen. Sie vermittelt auch Kontakte zu Unternehmen, die als Pilotkunden infrage kommen.
Weitere Stellen sind die Technologieparks und Gründerzentren der Stadt, etwa in Adlershof oder Wedding. Sie bündeln Mietflächen, Labore und Beratung an einem Ort.
| Anlaufstelle | Aufgabe | Geeignet für |
|---|---|---|
| Transferstellen der Hochschulen | Schutzrechte, Verträge, Kontakt zu Lehrstühlen | Erste Verwertung, Lizenzfragen |
| Fraunhofer-Institute | Auftragsforschung, Prototypen, Prüfstände | Technische Entwicklung |
| IHK Berlin | Beratung, Netzwerk, Gründungsservice | Marktzugang, Finanzierung |
| Technologieparks | Flächen, Labore, Beratung | Wachstum und Produktion |
| Verbundprojekte des BMBF | Gemeinschaftsforschung mit Instituten | Längere Entwicklungsvorhaben |
Wer diese Stellen früh einbezieht, spart später Zeit. Verträge, Rechte und Fördermittel lassen sich nur sauber regeln, wenn die Partner rechtzeitig bekannt sind.
Förderinstrumente für Start-ups in Berlin
Förderung kommt aus mehreren Töpfen. Die KfW bietet Programme für Gründung und Nachfolge, die junge Unternehmen mit Kapital und zinsgünstigen Krediten unterstützen. Dazu gehören Angebote für Existenzgründungen und für die Finanzierung von Vorhaben in der Startphase: KfW-Angebote zu Gründung und Nachfolge.
Für technische Entwicklungsvorhaben kommt die KfW-Förderung für Innovation und Digitalisierung infrage. Sie richtet sich an Unternehmen, die neue Produkte, Verfahren oder digitale Prozesse entwickeln wollen: KfW-Förderung für Innovation und Digitalisierung.
Daneben gibt es das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, kurz ZIM. Es fördert einzelbetriebliche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie Kooperationen zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Für Start-ups mit technischem Kern ist das oft der passende Einstieg.
Die Forschungszulage nach dem Forschungszulagengesetz senkt die Kosten für eigene Entwicklung. Unternehmen können einen Teil ihrer Aufwendungen für Forschung und Entwicklung steuerlich geltend machen. Das gilt auch für junge Firmen.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Verbundprojekte, in denen Start-ups mit Instituten zusammenarbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen bündelt zusätzlich Angebote für kleine und mittlere Unternehmen.
Wer Fördermittel beantragt, braucht einen Zeitplan. Die Anträge sind formal, die Bearbeitung dauert. Ein Projekt, das im nächsten Quartal starten soll, lässt sich selten kurzfristig finanzieren.
Zusammenarbeit mit Instituten und Hochschulen
Die Kooperation mit Hochschulen folgt festen Mustern. Am Anfang steht meist ein konkreter Auftrag: ein Werkstofftest, eine Messreihe, eine Machbarkeitsstudie. Daraus entsteht oft ein längerfristiges Projekt.
Institute arbeiten mit klaren Regeln. Ergebnisse, Rechte und Veröffentlichungen werden vorab vertraglich geregelt. Wer das unterschätzt, verliert später Zeit mit Nachverhandlungen.
Ein bewährtes Modell ist die Verbundforschung. Hochschule und Unternehmen bringen jeweils eigene Mittel ein und erhalten Förderung für das gemeinsame Vorhaben. Fraunhofer beschreibt die Kooperation mit Hochschulen als Modell für den Technologietransfer: Kooperation mit Hochschulen als Transfermodell.
Für Start-ups zählt vor allem der Zugang zu Geräten und Personal. Ein eigenes Labor ist teuer, die Nutzung einer Institutsanlage oft günstiger. Auch Abschlussarbeiten und Promotionen lassen sich als Entwicklungsarbeit einbinden.
Wichtig ist die Rolle der Betreuung. Ein Professor oder eine Professorin, die das Thema kennt, öffnet Türen zu weiteren Partnern. Ohne diese Verbindung bleibt der Kontakt oft bei einer einzelnen Messung.
Vor der Unterschrift sollten drei Punkte geklärt sein: Wer hält welche Rechte, wer trägt welche Kosten, und was passiert, wenn das Projekt scheitert. Diese Fragen gehören in den Vertrag, nicht in spätere Gespräche.
Beispiel: Berliner Start-up nutzt Technologietransfer und Förderung
Ein Berliner Start-up entwickelt Sensoren für die industrielle Prozessüberwachung. Die Gründer kommen aus der TU Berlin, das erste Muster entsteht im Labor eines Instituts. Der Kontakt läuft über die Transferstelle der Hochschule.
Schritt 1: Die Transferstelle prüft, ob eine Erfindung vorliegt, und meldet sie gegebenenfalls zum Patent an. Das Start-up klärt, welche Rechte es braucht.
Schritt 2: Mit einem Fraunhofer-Institut wird eine Machbarkeitsstudie vereinbart. Der Auftrag ist klein, die Ergebnisse zeigen, ob der Sensor unter realen Bedingungen funktioniert.
Schritt 3: Auf Basis der Studie beantragt das Unternehmen eine Förderung für Innovation und Digitalisierung bei der KfW. Parallel prüft es die Forschungszulage für eigene Entwicklungsaufwendungen.
Schritt 4: Für die Serienreife entsteht ein Verbundprojekt mit der Hochschule. Das Start-up bringt Anwendungsdaten ein, das Institut Mess- und Prüftechnik.
Schritt 5: Die IHK Berlin vermittelt einen Pilotkunden aus der Fertigungsindustrie. Der erste Auftrag finanziert die nächste Entwicklungsstufe.
Nach etwa zwei Jahren steht ein verkaufsfähiges Produkt. Der Weg war nicht gradlinig: Ein Förderantrag wurde abgelehnt, ein Institutsvertrag musste nachverhandelt werden. Entscheidend war, dass Transfer und Förderung parallel liefen und nicht nacheinander.
Häufige Fragen
Welche Stelle ist der erste Anlaufpunkt für ein Start-up?
In der Regel die Transferstelle der Hochschule, aus der die Gründung kommt. Sie kennt Schutzrechte, Verträge und die passenden Lehrstühle.
Welche Förderung eignet sich für technische Entwicklung?
Für einzelne Vorhaben kommen ZIM und die Forschungszulage infrage, für größere Investitionen die KfW-Programme. Die Wahl hängt von Vorhaben, Kosten und Laufzeit ab.
Wie lange dauert ein Förderantrag?
Das ist je nach Programm verschieden. Wer im nächsten Quartal starten will, sollte den Antrag früh stellen und den Zeitplan mit der Entwicklung abstimmen.
Was kostet die Zusammenarbeit mit einem Institut?
Auftragsforschung wird nach Aufwand abgerechnet. Geförderte Verbundprojekte senken den Eigenanteil, verlangen aber mehr Abstimmung.
Wer regelt die Rechte an Ergebnissen?
Das geschieht im Vertrag vor Projektbeginn. Ohne klare Regelung entstehen später Streit und Verzögerungen.
Braucht ein Start-up eigene Labore?
Nicht zwingend. Institute und Technologieparks stellen Geräte und Flächen bereit, oft günstiger als ein eigener Aufbau.