Entwicklungsdienstleister
Teil von Entwicklungsdienstleister vergleichen: Kriterien, Preise und Vertragsformen
Prüfung von Referenzen bei Entwicklungsdienstleistern anhand von Nachweisarten und Relevanz
Referenzen von Entwicklungsdienstleistern prüfen: Nachweisarten, Prüfschritte für IATF 16949, ISO 9001 und ISO 27001 sowie ein Bewertungsraster.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Trennen Sie fünf Nachweisarten: Projektlisten, Ansprechpartner, Zertifikate, Auditberichte und Abnahmeprotokolle.
- Zertifikate belegen ein Managementsystem im genannten Geltungsbereich, nicht die Eignung für Ihr Vorhaben.
- Prüfen Sie jede Angabe auf Ersteller, Datum, Umfang und Verifizierbarkeit.
- Bewerten Sie die Relevanz am eigenen Bauteil, nicht an der Länge der Referenzliste.
Fünf Nachweisarten und ihre Beweiskraft
Projektlisten sind der schwächste Nachweis. Sie nennen Branchen und Stückzahlen, bleiben aber ohne Bezug zum eigenen Vorhaben unverbindlich. Anbieter wie EDAG, Bertrandt, FEV und IAV stellen solche Übersichten bereit, etwa die EDAG Group mit Leistungen und Zertifikaten.
Benannte Ansprechpartner machen eine Referenz erst nachprüfbar. Fehlen Name, Funktion und Einverständnis des Kunden, bleibt die Angabe wertlos. Fragen Sie vor der Vergabe schriftlich, ob ein Kontakt hergestellt werden darf.
Zertifikate belegen ein Managementsystem. Sie gelten nur für den dort genannten Geltungsbereich, Standort und Zeitraum. Ein ISO-9001-Zertifikat der Zentrale sagt nichts über ein Projektteam in einem anderen Werk.
Auditberichte und Abnahmeprotokolle sind die stärksten Nachweise. Sie dokumentieren Prüfhandlungen, Messwerte und Freigaben zu einem konkreten Liefergegenstand. Verlangen Sie Auszüge mit Bezug zu vergleichbaren Anforderungen, nicht die vollständige Mappe.
Prüfschritte für IATF 16949, ISO 9001 und ISO 27001
Ordnen Sie jedem Nachweis eine Prüfspur zu. Die fünf Schritte gelten für alle drei Normen und unterscheiden sich nur im Gegenstand.
- Zertifikat erfassen: Nummer, Norm, Ausstellungsdatum, Ablaufdatum und ausstellende Stelle notieren.
- Geltungsbereich abgleichen: Standort, Produkte und Prozesse aus dem Zertifikat mit dem Auftragsumfang vergleichen.
- Stelle prüfen: Akkreditierung oder Anerkennung der Zertifizierungsstelle kontrollieren, das BSI beschreibt Zertifizierung und Anerkennung.
- Anforderungen zuordnen: IATF 16949 betrifft die Serienfertigung der Automobilindustrie und ihre Lieferkette, ISO 9001 die Prozesslenkung, ISO 27001 den Umgang mit Informationsrisiken.
- Abnahmeprotokolle anfordern und mit Zertifikaten und Auditberichten abgleichen.
Bewertungsraster mit Punkten
Das Raster ordnet jeder Angabe Punkte zu. Es ist ein Strukturvorschlag für Ihre Unterlagen, kein Testergebnis.
| Kriterium | Prüffrage | Beleg | Punkte |
|---|---|---|---|
| Nachweisart | Liegt ein Dokument oder nur eine Aussage vor? | Zertifikat, Protokoll, Liste | 0 bis 3 |
| Geltungsbereich | Passen Standort und Produkt zum Auftrag? | Zertifikat, Auditbericht | 0 bis 3 |
| Aktualität | Ist der Nachweis noch gültig? | Datum, Laufzeit | 0 bis 3 |
| Übertragbarkeit | Ähneln Material und Stückzahl dem Auftrag? | Projektbeschreibung | 0 bis 3 |
| Verifizierbarkeit | Ist der Kunde als Kontakt benannt? | Ansprechpartner, Freigabe | 0 bis 3 |
Null Punkte bedeuten fehlender Nachweis, ein Punkt Anbieterdarstellung, zwei Punkte dokumentierter Nachweis, drei Punkte unabhängig bestätigter Nachweis.
Relevanz am eigenen Projekt messen
Übertragen Sie jede Referenz auf Ihr Bauteil oder Ihren Prozess. Prüfen Sie Material, Wandstärken, Toleranzen, Stückzahl und Taktzeit. Eine Referenz aus einem anderen Material ist nur bedingt übertragbar.
Formulieren Sie für jede Angabe eine eigene Prüffrage. Ein Beispiel: Wurde ein vergleichbares Gehäuse mit denselben Toleranzen abgenommen? Erst wenn ein Dokument diese Frage beantwortet, zählt die Referenz als Beleg.
Grenzen der Nachweisprüfung
Ohne Kundenbefragung und Einsicht in Projektunterlagen bleibt die Prüfung auf Anbieterangaben beschränkt. Sie bewerten die Nachweisqualität, nicht den Projekterfolg. Markieren Sie unbestätigte Angaben entsprechend in Ihren Unterlagen.
Bei öffentlichen Auftraggebern gelten zusätzliche Vorgaben. Oberhalb der EU-Schwellenwerte regelt die Vergabeverordnung die Nachweise für die Eignung, die Bieter vorlegen müssen.
Häufige Fragen
Welche Nachweisart ist am aussagekräftigsten?
Ein Abnahmeprotokoll mit Messwerten und Freigabe. Danach folgen Auditbericht und Zertifikat, dann der benannte Ansprechpartner, zuletzt die Projektliste.
Warum sagt ein Zertifikat wenig über mein Projekt aus?
Es gilt für einen definierten Geltungsbereich. Standort, Produktlinie und Zeitraum können von Ihrem Auftrag abweichen.
Wie prüfe ich eine Referenz ohne Kundenkontakt?
Werten Sie die Anbieterdarstellung aus und markieren Sie sie als solche. Fragen Sie zusätzlich nach Dokumenten mit Bezug zu Ihrem Auftrag.
Welche Norm prüfe ich bei welchem Auftrag?
IATF 16949 bei Serienlieferungen an die Automobilindustrie, ISO 9001 bei allgemeinen Entwicklungsleistungen, ISO 27001 bei Zugriff auf Ihre Daten und Systeme.
Was mache ich mit unbestätigten Angaben?
Tragen Sie sie mit null Punkten ins Raster ein und ziehen Sie sie nicht für die Auswahl heran.