Kriterienraster zur Auswahl von Engineering-Dienstleistern mit Gewichten und Preismodellen
Bild: Forschungsbeilage

Entwicklungsdienstleister

Teil von Entwicklungsdienstleister vergleichen: Kriterien, Preise und Vertragsformen

Welche Auswahlkriterien zählen vor der Anfrage an einen Entwicklungsdienstleister?

Entwicklungsdienstleister Auswahlkriterien: Checkliste zu Branchenerfahrung, Referenzen, ISO 9001, IATF 16949, Geheimhaltung, Versicherung und Preismodell.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Legen Sie das Anforderungsprofil fest, bevor Sie anfragen, sonst argumentieren Sie nach dem ersten Angebot rückwärts.
  • Trennen Sie Muss-Kriterien von Kann-Kriterien und gewichten Sie jede Position, damit der Preis nicht allein dominiert.
  • Prüfen Sie Branchenerfahrung, Referenzen, Kapazität und Zertifizierungen wie ISO 9001 und IATF 16949 anhand gültiger Nachweise.
  • Regeln Sie Geheimhaltung, Versicherung und Preismodell schriftlich, bevor Daten oder CAD-Modelle das Haus verlassen.

Anforderungsprofil statt Angebotsvergleich

Wer erst Angebote sammelt und dann Kriterien sucht, bewertet unbewusst den Anbieter mit der schnellsten Antwort. Bauen Sie daher zuerst ein Raster: je Zeile ein Kriterium, ein Gewicht und ein Punktwert. Muss-Kriterien wirken als Ausschluss, Kann-Kriterien verbessern das Ergebnis nur. Die Gewichte summieren sich auf 100 Prozent.

Anforderungsprofil erstellen

  • Kriterium, Gewicht und Punktwert je Zeile
  • Muss-Kriterien wirken als Ausschluss
  • Kann-Kriterien verbessern das Ergebnis
  • Gewichte summieren sich auf 100 Prozent
  • Sechs bis zehn Positionen genügen
  • Nachweis zu jedem Punkt notieren
  • Mindestens drei Dienstleister anfragen

Halten Sie das Raster kurz: sechs bis zehn Positionen genügen. Notieren Sie zu jedem Punkt den Nachweis, der ihn belegt, etwa Zertifikat, Referenzliste oder Kapazitätsplan. Ohne Nachweis bleibt ein Kriterium eine Behauptung.

Steht das Raster, fragen Sie mindestens drei Dienstleister mit demselben Lastenheft an. Unterschiedliche Unterlagen erzeugen unterschiedliche Angebote und machen jeden Vergleich wertlos.

Branchenerfahrung, Referenzen, Kapazität

Branchenerfahrung zählt nur, wenn sie zu Ihrem Bauteil, Ihrem Werkstoff und Ihrem Regelwerk passt. Fragen Sie nach Projekten mit vergleichbarer Stückzahl, Toleranz und Zulassungslage, nicht nach der Gesamtzahl abgeschlossener Projekte. Lassen Sie sich zwei Referenzkunden nennen, die Sie anrufen dürfen.

Große Engineering-Dienstleister dokumentieren ihr Leistungsspektrum öffentlich. Die EDAG Group listet in ihrer Leistungsübersicht Entwicklungsumfänge, Referenzen und Zertifikate; vergleichbare Angaben finden Sie bei Bertrandt, FEV, IAV und ARRK. Prüfen Sie solche Darstellungen gegen Ihr Anforderungsprofil, statt sie als Nachweis zu übernehmen.

Kapazität ist mehr als freie Rechnerkapazität. Klären Sie, wie viele Entwickler gleichzeitig auf Ihr Projekt gesetzt werden, wie Ausfälle vertreten werden und ob Prüfstände für Ihren Zeitraum reserviert sind.

Zertifizierungen: ISO 9001 belegt ein Qualitätsmanagementsystem, IATF 16949 zusätzlich die Anforderungen der Automobilindustrie. Fordern Sie das gültige Zertifikat mit Geltungsbereich und Zertifizierungsstelle an, nicht nur ein Logo im Angebot.

Geheimhaltung, Versicherung und Vertragsform

Geheimhaltung beginnt vor der Anfrage. Eine Vertraulichkeitsvereinbarung sollte Definition, Laufzeit, Ausnahmen sowie Rückgabe oder Löschung der Unterlagen regeln. Klären Sie außerdem, ob der Dienstleister Ihre Daten selbst verarbeitet oder Unterauftragnehmer einbezieht.

Versicherung: Fragen Sie nach Betriebs- und Berufshaftpflicht, Deckungssumme und dem Umgang mit Entwicklungsrisiken. Haftung entsteht nicht aus dem Angebot, sondern aus Vertrag und Gesetz.

Bei Entwicklungsaufträgen mit Erfolgsversprechen ist der Werkvertrag die einschlägige Vertragsart. § 631 BGB regelt Gegenstand und Vergütung dieses Vertragstyps. Prüfen Sie zusätzlich Abnahme, Mängelrechte und die Frage, wem die Entwicklungsergebnisse gehören.

Für Formulierungen sind Muster von Verbänden und Kammern die praktische Grundlage. Die DIHK bündelt als Dachverband der Industrie- und Handelskammern Informationen zu Innovation, Förderung und Beratung. Nutzen Sie solche Muster als Entwurf und lassen Sie den Vertrag juristisch prüfen.

Preismodell und Kostentreiber

Drei Modelle sind üblich:

Risiko für Sie

Festpreis
gering
Zeit und Material mit Cap
mittel
Aufwand ohne Cap
hoch

Passend bei

Festpreis
klar umrissener Spezifikation
Zeit und Material mit Cap
offenem Entwicklungsaufwand
Aufwand ohne Cap
Vorstudien mit Abbruchoption

Der VDMA veröffentlicht Daten und Leitfäden zu Engineering-Dienstleistungen und deren Preisentwicklung. Solche Angaben taugen als Vergleichsanker, ersetzen aber keinen eigenen Kostenaufbau.

Lassen Sie den Kostenaufbau getrennt ausweisen: Rüstzeiten, Vorrichtungen, Werkzeugverschleiß, Aufspannungen und Stückkosten. Fragen Sie zusätzlich, welche Kosten einmalig anfallen und welche mit der Stückzahl sinken, und ob Werkzeugkosten separat berechnet werden.

Prüfschritte vor der Anfrage

  1. Anforderungsprofil mit Muss- und Kann-Kriterien sowie Gewichten anlegen.
  2. Nachweise anfordernZertifikate, zwei Referenzen, Kapazitätsplan, Versicherungsnachweis.
  3. Vertraulichkeitsvereinbarung und Vertragsentwurf prüfen, Rechte an Ergebnissen klären.
  4. Preismodell und Kostenaufbau jedes Anbieters in dasselbe Raster eintragen.
  5. Vor der Vergabe Abbruchkriterien und einen festen Ansprechpartner schriftlich festhalten.

Arbeiten Sie die Liste vor jeder Anfrage vollständig ab und streichen Sie Muss-Kriterien erst nach der Vorauswahl. Wer ein Kriterium fallen lässt, sollte den Grund im Raster vermerken, damit die Entscheidung später nachvollziehbar bleibt.

Häufige Fragen

Wann muss das Raster fertig sein?

Vor der ersten Anfrage. Nach Eingang der Angebote prüfen Sie nur noch, ob die Nachweise zum Raster passen.

Wie viele Kriterien sind sinnvoll?

Sechs bis zehn, aufgeteilt in Muss und Kann, mit Gewichten über 100 Prozent.

Reicht ein ISO-9001-Zertifikat?

Für allgemeine Qualitätssicherung oft ja. Die Automobilindustrie verlangt zusätzlich IATF 16949 mit gültigem Geltungsbereich für die gelieferte Leistung.

Wie prüfe ich Referenzen?

Lassen Sie sich zwei vergleichbare Projekte mit Ansprechpartnern nennen und fragen Sie telefonisch nach Termintreue, Nacharbeiten und Kommunikation.

Wie gehe ich mit Geheimhaltung vor der Anfrage um?

Erst eine kurze Vertraulichkeitsvereinbarung, dann technische Unterlagen. Ohne Vereinbarung keine CAD-Daten und keine Stückzahlen.

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