Auftragsforschung

Teil von Auftragsforschung für Industrie: Ablauf, Kosten und Verträge im Überblick

Auftragsforschung oder Eigenentwicklung im Vergleich für Industriebetriebe

Auftragsforschung oder Eigenentwicklung im KMU-Vergleich: Kapazität, Kosten, Geheimhaltung, IP und Förderung mit Tagessätzen und Beispielrechnung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eigenentwicklung bindet Personal, Labor und Geräte dauerhaft, Auftragsforschung kauft Kapazität projektweise ein.
  • Der Wirtschaftssektor gibt jährlich rund 80 Milliarden Euro für interne Forschung und Entwicklung aus.
  • Hochschulen rechnen niedrigere Tagessätze ab als Fraunhofer und Helmholtz, hinzu kommen in der Regel 19 % Umsatzsteuer.
  • Vertraulichkeit, Zeitplan und Verwertungsrechte regelt der Vertrag, nicht die Wahl des Partners.
  • ZIM, AiF und BMBF-Förderung greifen nur bei Forschungsanteil und Verwertungsabsicht.

Kapazität und Auslastung: was Eigenentwicklung bindet

Eigenentwicklung bedeutet, dass ein Betrieb Forschende einstellt, Labore ausstattet und Geräte abschreibt. Diese Kosten laufen weiter, wenn ein Projekt stockt oder pausiert. Kleinere Betriebe können eine solche Kapazität selten auslasten, weil Entwicklungsthemen unregelmäßig anfallen.

Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamts zur Forschung und Entwicklung im Wirtschaftssektor entfallen auf Unternehmen jährlich rund 80 Milliarden Euro für internes Personal und Sachmittel. Ein großer Teil dieses Betrags konzentriert sich auf Großunternehmen. Mittelständler tragen kleinere Volumina und kaufen fehlende Kapazität häufiger zu.

Hybride Modelle liegen zwischen beiden Wegen. Ein Betrieb beschäftigt einen kleinen Kern und kauft Spezialleistungen wie Simulation, Analytik oder Prüfstandsmessungen zu.

Die Suche nach geeignetem FuE-Personal und die Einarbeitung verzögern jeden internen Start. Auftragsforschung umgeht diesen Vorlauf, verlagert dafür Wissen und Verantwortung nach außen. Beides ist kalkulierbar, wenn der Umfang vorher feststeht.

Was interne und externe Forschung kostet

Interne Kosten setzen sich aus Personalkosten, Abschreibungen und Gemeinkosten zusammen. Eine Beispielrechnung: Ein FuE-Ingenieur verursacht 110.000 Euro Jahreskosten. Bei 210 Arbeitstagen ergeben sich rund 520 Euro je Personentag. Hinzu kommen Gemeinkosten für Labor, Leitung und Infrastruktur, die je nach Betrieb stark schwanken. Diese Zahlen sind Beispielwerte, keine Marktdaten.

Externe Tagessätze werden projektbezogen kalkuliert und unterscheiden sich nach Anbietertyp. Die folgende Übersicht nennt Orientierungswerte in Euro netto, die Umsatzsteuer von 19 % ist gesondert ausgewiesen.

Anbietertyp Tagessatz netto mit 19 % MwSt.
Hochschule, Drittmittelstelle 700 bis 950 Euro 833 bis 1.131 Euro
Fraunhofer-Institut 1.100 bis 1.500 Euro 1.309 bis 1.785 Euro
Helmholtz-Zentrum 1.000 bis 1.400 Euro 1.190 bis 1.666 Euro

Zu den Tagessätzen kommen Nebenkosten. Institute berechnen Material, Prüfstandsnutzung und Reisen häufig gesondert. Ein Angebot sollte Personentage und Sachkosten getrennt ausweisen, damit die Vergleichbarkeit mit den internen Kosten erhalten bleibt.

Ein Rechenbeispiel: 40 Personentage zu 1.200 Euro netto ergeben 48.000 Euro netto, mit Umsatzsteuer 57.120 Euro. Verbindlich ist immer das individuelle Angebot des Instituts oder der Hochschule.

Geheimhaltung, Tempo und Verwertungsrechte

Geheimhaltung lässt sich vertraglich regeln, aber nicht erzwingen. Hochschulen haben ein Publikationsinteresse, außeruniversitäre Institute arbeiten häufiger vertraulich. Fristen für Veröffentlichungen und Listen vertraulicher Informationen gehören in jeden Forschungsvertrag.

Beim Tempo liegt Auftragsforschung nur vorn, wenn Kapazität frei ist. Bei Hochschulen kommt die Einrichtung einer Drittmittelstelle hinzu, bei Instituten die Einplanung in den Projektkalender. Interne Teams arbeiten dagegen ohne Anbahnungsphase, benötigen aber Vorlauf für Einstellung und Einarbeitung.

Die Rechte an Ergebnissen liegen beim Auftragnehmer, solange der Vertrag keine Übertragung vorsieht. Nutzungs- und Schutzrechte müssen ausdrücklich eingeräumt werden. Bei interner Entwicklung greift dagegen das Arbeitnehmererfindergesetz: Erfindungen sind Diensterfindungen, die der Betrieb in Anspruch nimmt und vergütet.

Förderfähigkeit: BMBF, AiF und ZIM

Das BMWK bündelt in seiner Übersicht zur Innovationsförderung die Programme, mit denen Betriebe Forschung und Entwicklung finanzieren. Dazu zählen Projektförderungen für Verbünde und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen.

ZIM-Kooperationsprojekte verbinden ein Unternehmen mit mindestens einer Forschungseinrichtung. Gefördert werden Entwicklungsvorhaben mit Verwertungsabsicht, die ohne den Partner nicht umsetzbar wären. Damit lässt sich externe Kapazität bezuschussen, während ein reiner Dienstleistungsauftrag keine Förderung erhält.

Die Industrielle Gemeinschaftsforschung der AiF arbeitet vorwettbewerblich über Forschungsvereinigungen und passt für Branchenthemen, nicht für firmenspezifische Produkte. BMBF-Verbünde setzen thematische Ausschreibungen voraus. Öffentliche Hochschulen vergeben größere Forschungsaufträge nach Vergaberecht, oberhalb der EU-Schwellenwerte gilt die Vergabeordnung.

Der Antragsaufwand ist ein eigener Kostenblock. Verbundprojekte verlangen Arbeitsplan, Kostenkalkulation und Verwertungskonzept, die ein Betrieb mit knapper Verwaltung selten nebenbei erstellt.

Checkliste vor der Entscheidung

  • Wird das Thema länger als zwei Jahre bearbeitet? Dann spricht mehr für interne Kapazität.
  • Ist der Know-how-Abfluss kritisch? Dann braucht der Vertrag Vertraulichkeits- und Dokumentationspflichten.
  • Steht Förderung zur Verfügung? ZIM-Kooperationsprojekte und BMBF-Verbünde senken die externen Kosten.
  • Reicht das eigene Budget für Geräte und Personal? Wenn nicht, ist Auftragsforschung die günstigere Variante.
  • Sind die Nutzungsrechte geklärt? Ohne schriftliche Regelung bleiben sie beim Auftragnehmer.

Häufige Fragen

Wann ist Auftragsforschung günstiger als Eigenentwicklung?

Wenn Know-how nur für ein einzelnes Projekt gebraucht wird und Geräte teuer sind. Sobald ein Thema dauerhaft bearbeitet wird, sinken die internen Stückkosten.

Wer hält die Rechte an Ergebnissen aus Auftragsforschung?

Grundsätzlich der Auftragnehmer, wenn der Vertrag keine Übertragung vorsieht. Regelungen zu Nutzungs- und Schutzrechten gehören schriftlich in den Vertrag.

Welche Förderung passt zu externer Forschung?

ZIM-Kooperationsprojekte und BMBF-Verbünde. Voraussetzung ist ein Forschungsanteil und eine Verwertungsperspektive.

Fällt auf Forschungstagessätze Umsatzsteuer an?

Bei wirtschaftlicher Tätigkeit in der Regel ja, mit 19 %. Hochschulen rechnen Auftragsforschung entsprechend ab.

Wie viele Angebote sollten eingeholt werden?

Mindestens zwei bis drei, weil Institute und Hochschulen Tagessätze und Nebenkosten unterschiedlich kalkulieren.

Mehr aus Auftragsforschung

Auftragsforschung

Auftragsforschung für Industrie in 5 Schritten zur Projektreife

Auftragsforschung Schritte: Von der Bedarfsanalyse über Partnerwahl und Angebotsvergleich bis zu Förderung und Vertrag, mit Kostenbeispielen in Euro.

Auftragsforschung

Auftragsforschung für Industrie Leitfaden für Ausschreibung und Vergabe

Auftragsforschung Ausschreibung: Checkliste für Pflichtangaben, Eignung, Preisblätter, Nebenangebote und Abnahme, plus Anbietervergleich und Schrittfolge.

Auftragsforschung

Auftragsforschung für Industrie: Ablauf, Kosten und Verträge im Überblick

Auftragsforschung für Industrie: Ablauf von Anfrage bis Abnahme, Kostenarten mit Beispielrechnung und die üblichen Vertragsformen im Überblick.

Auftragsforschung

Wie wähle ich Forschungswerkzeuge nach Anforderungen und Kosten aus?

Forschungswerkzeuge auswählen: Anforderungsprofil, Marktvergleich, Lizenzen, Schnittstellen, Betriebskosten und Beschaffung mit Euro-Rechnung inkl. 19 % MwSt.